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Down-Syndrom Seiltänzer zwischen zwei Welten

05.08.2010 | Tages-Anzeiger Leserforum | Brigitte Reimann | Schweiz

Pablo Pineda«Es ist ein Hohn, wenn uns Eltern suggeriert wird, dass Kinder mit Trisomie 21 alles aufholen können, wenn man sie nur genug fördert. »

Der erste Europäer mit Down-Syndrom und Unidiplom, TA vom 5.8.2010

Eine weltweite Ausnahme

«Weil er früh gefördert wurde, konnte er an der Uni studieren.» Was sagt dieser Satz aus? Speziell für uns Eltern von Kindern mit Trisomie 21? Dass wir nur gut fördern müssen, um aus unseren Kindern sogenannte normale Kinder – oder sogar hochbegabte – zu machen! Natürlich kann es mal vorkommen, dass auch ein Mensch mit Trisomie 21 eine derartige Intelligenz, wie im TAArtikel beschrieben, hat. Doch dies ist eine absolute, weltweit wahrscheinlich an einer Hand abzuzählende Ausnahme. Und es hängt auch noch von zusätzlichen Beeinträchtigungen ab, denn meistens ist das Gehirn dieser Menschen auch betroffen, und dies ergibt einen mittleren IQ von 49. Dass die Bandbreite ebenso unterschiedlich sei wie bei normal intelligenten Kindern, mag sein – jedoch auf einem viel tieferen IQ-Niveau. Es ist ein Hohn, wenn die Medien immer wieder uns Eltern suggerieren, dass Kinder mit Down-Syndrom alles aufholen können, wenn nur die Umgebung genug fördert, wenn man sie in die Regelschule integriert usw. Wissen diese, wie lange es geht, bis ein solches Kind nur mal spricht, sich selbstständig anziehen, das WC benutzen kann, richtig mit Messer und Gabel umgeht? Wie viel Zeit und Geld für die so genannte Frühförderung, für Ergo-, Physiotherapie und Logopädie draufgeht, um minimale Fortschritte zu erzielen? Wissen die Autoren, die solche Texte publizieren, wie viel Druck sie damit auf die Eltern dieser Kinder ausüben? Denn wenn trotz aller Förderung das Kind letztlich doch in der heilpädagogischen Schule landet und nie selbstständig leben kann, müssen sich diese Eltern ja Vorwürfe machen.

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